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Landkreis Altötting (Landratsamt)

Beschreibung
Der Landkreis Altötting liegt im nordöstlichen Oberbayern an der Grenze zu Österreich. Diese bildet die Salzach, auf der in früheren Zeiten Salz aus den salzburgischen Lagerstätten flussabwärts verfrachtet wurde. Die Salzach mündet in den Inn, den Hauptfluss des Landkreises, mit ihm den Flussläufen nach einen "Saurüssel" bildend. Dieses so eingegrenzte Gebiet sieht der Volksglaube unter dem besonderen Schutz der Hl. Jungfrau, deren große Wallfahrtsstätte zu Altötting liegt, der Kreisstadt. Der dritte bedeutende Fluss, die Alz, entspringt im Chiemsee und mündet ebenfalls in den Inn. Sie teilt das Land zwischen Inn und Salzach fast genau in zwei Hälften.
Erdgeschichtlich liegt der Landkreis in Einzugsbereich der alpinen Vergletscherung, speziell des Inn-Salzachgletschers. Die den Großteil des Landkreises prägende Moränen- und Schotterlandschaft geht darauf zurück. Nur im Norden reicht das Tertiäre Hügelland herein. Die Bodengüte ist dementsprechend stark wechselnd, insgesamt durchschnittlich. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 8° C, die durchschnittlichen Niederschläge liegen bei 950 mm. Die Landwirtschaftsfläche nimmt 57 % der Kreisfläche ein, das Verhältnis Ackerland zu Grünland beträgt 2:1. Unter diesen Standortvoraussetzungen ist es natürlich, dass Futterbau und Rindviehhaltung eine bedeutende Rolle spielen. Die Landwirtschaft ist klein- bis mittelbäuerlich strukturiert. Als Siedlungstypen herrschen Einöden und Weiler vor. Je nach Größe des zugehörigen Grundeigentums finden sich Vierseithöfe bis herunter zum Einfirsthof. Charakteristische Details der Wirtschaftsgebäude sind das Bundwerk, schmückende Zimmermannsarbeit, die sich vor allem an den Außenwänden alter Scheunen findet, und die Dachglocken, die einst zu den Mahlzeiten riefen. Weitgehend verschwunden sind die mit Windrädern gekrönten Gerüste über den Wasserbrunnen, die mit Windkraft das Brunnenwasser förderten (Windbrunnen).
Der Waldanteil an der Kreisfläche ist mit 29 % bedeutend. Er umfasst auch große geschlossene Forstgebiete auf den Terrassenschottern von Inn und Salzach sowie das waldreiche "Holzland", das schon im Tertiären Hügelland liegt. Die wichtigsten Siedlungen sind die Städte Altötting, Neuötting, Burghausen und Töging.
Altötting ist vor allem durch seine Marienwallfahrt groß geworden, war aber schon ehedem ein historisch bedeutender Ort. Das Oktogon der Marienkapelle, das in die karolingische Epoche zurückreicht, verweist auf die Zeit, in der Altötting schon Herzoghof, dann königliche Pfalz war.
Neuötting am Inn und Burghausen an der Salzach sind ebenfalls bedeutende mittelalterliche Stadtgründungen. Dabei hat sich Neuötting zu einer bedeutenden Kaufmannsstadt entwickelt, die es heute noch ist. Burghausen war Verwaltungsmittelpunkt einer Grafschaft, später eines Rentamts. Gekrönt ist Burghausen durch eine mächtige, über einen Kilometer lange Burg, eine der eindrucksvollsten Anlagen Europas. Als Bayern 1779 das Innviertel verlor, wurde Burghausen Grenzstadt. In dem nahe gelegenen Ort Marktl am Inn wurde 1927 Papst Benedikt XVI. geboren.
Neuötting und Burghausen sind auch schöne Beispiele der Inn-Salzachbauweise, einer Stilrichtung, die bis Südtirol hin zu finden ist. Typisch sind die aus Blendfassaden gebildeten Häuserfronten. Agrargeschichtlich von Interesse ist, dass Altötting, dann Burghausen, Sitz der 1765 gegründeten kurbaierischen Landesökonomiegesellschaft waren, der ersten derartigen Gründung in Bayern. 1802 aufgelöst, lebte sie in dem 1810 gegründeten landwirtschaftlichen Verein in Baiern weiter, dem Vorläufer des Bayerischen Bauernverbandes.
Nicht weit flussaufwärts von Burghausen liegen das ehemalige Zisterzienserkloster Raitenhaslach, ein Juwel des Barock, und die zugehörige im Rokokostil errichtete Wallfahrtskirche Marienberg. Die Zisterzienser pflegten die Landwirtschaft und insbesondere auch den Obstbau. Eine wiedererrichtete Streuobstanlage erinnert daran.
Im vergangenen Jahrhundert ist in Südostbayern das sog. Chemiedreieck entstanden, dessen Schwerpunkt im Landkreis liegt. Es gehören dazu Burghausen (Wacker-Chemie, Raffinerie der ÖMV), Burgkirchen (Werk Gendorf), Hart (Süddeutsche Kalkstickstoffwerke) und Töging (Vereinigte Aluminiumwerke).
Der Landkreis hat eine Fläche von 569 qkm Die Einwohnerzahl beträgt 109.000, auf den qkm gerechnet 191. Die Besiedlungsdichte liegt somit über dem bayerischen Landesdurchschnitt.
Text: Prof. Dr. Alois Seidl
Literatur
-Burghauser Geschichtsblätter (Hrsg. v. Stadt Burghausen.)  1910 ff.
-Max Fellermeier. Lebenswerk eines großen Heimatforschers und Heimatschriftstellers. Beiträge zur Heimat- und Volkskunde Altbayerns insbesondere des Altöttinger Raumes, zusammengestellt von Eduard Baumann. (Hrsg. v. Fellermeier, Margarete.) Altötting 1984
-Oettinger Land. Eine heimatkundliche Schriftenreihe für den gesamten Landkreis Altötting. (Hrsg. v. Oettinger Heimatland e. V. in Verbindung mit den Heimatvereinen im Landkreis Altötting.) Altötting 1981 ff.