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Biographie

Alban, Ernst, Dr.
Pionier des mecklenburgischen Landmaschinenbaus
(7. Februar 1791 - 13. Juni 1851)
Auch Mecklenburg hatte technische Genies! Der Name Ernst Alban wird vorrangig im Zusammenhang mit der Entwicklung und dem Einsatz von Dampfmaschinen genannt. Unumstritten zählt er zu den Großen des lngenieurwesens in Deutschland. Im nachfolgenden Beitrag soll ein Bereich im Wirken von Ernst Alban ausführlicher betrachtet werden, der mit bahnbrechenden Weichenstellungen für die mecklenburgische Landwirtschaft verbunden war.
Ernst Alban wurde am 7. Februar 1791 als Sohn des Ersten Predigers in Neubrandenburg geboren. Obwohl sein Interesse seit der Kindheit vor allem technischen Themen galt, begann er 1810 in Rostock, dem Wunsch des Vaters folgend, mit dem Studium der Theologie.
Schon nach einem Jahr wandte er sich dem Medizinstudium an der Universität Rostock zu, setzte es in Berlin fort und schloss es 1814 erfolgreich in Greifswald ab. Danach spezialisierte er sich an der Universität Göttingen auf Chirurgie und Augenheilkunde. Wieder nach Rostock zurückgekehrt, ließ er sich dort als praktischer Arzt nieder, wo er vor allem als "Starstecher" bekannt wurde.
Bereits in dieser Zeit beschäftigte sich Alban neben seiner Arzttätigkeit intensiv mit technischen Herausforderungen. So konstruierte er mit Hilfe von Wärmflaschen und Wundspritzen Modelle für Hochdruckdampfmaschinen. Ein auf diesem Wege entstandener Dampfentwickler für hohe Drücke fand in England seine Anerkennung als Patent. Die praktische Erprobung seiner Erfindung führte ihn 1825 nach London. Hier baute er seine erste Hochdruckdampfmaschine und lernte in englischen Werkstätten den zur damaligen Zeit neuesten Stand der Industrie und Technik kennen. Widrige Umstände verschiedenster Art ließen seine "englischen Vorhaben" scheitern, und so kehrte er 1827 nach Mecklenburg auf das Gut Stubbendorf bei Tessin zurück.
In Stubbendorf kam es zu einer Begegnung, die für die Entwicklung des landwirtschaftlichen Maschinenbaus in Mecklenburg nachhaltige Folgen haben sollte. 1828 besuchten ihn der Domänenrat Carl Pogge und dessen Sohn Johann Pogge, die zu jener Zeit das nahe gelegene Gut Brunstorf bewirtschafteten und sich gemeinsam mit Johann Heinrich von Thünen im Teterower Distrikt des Mecklenburgischen Patriotischen Vereins für den technischen Fortschritt auf den mecklenburgischen Gütern einsetzten.
Sie überzeugten Ernst Alban, sich auf den Bau von Landmaschinen zu konzentrieren, da hierfür ein steigender Bedarf auf den mecklenburgischen Gütern zu verzeichnen war, und versprachen ihm ihre persönliche Unterstützung durch den garantierten Ankauf zur Bewirtschaftung ihrer eigenen Güter. Eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit wollten sie durch die Erprobung und nachfolgende Verbreitung ihrer Testergebnisse betreiben.
Auf dem zwischen Güstrow und Teterow gelegenen Poggeschen Stammgut Roggow sowie in Striesenow verschaffte sich Ernst Alban einen Einblick in den für ihn bis dahin noch unbekannten Betriebsablauf in der Landwirtschaft, was für ihn außerordentlich hilfreich war.
Seine ersten Landmaschinen baute er aufgrund fortwährenden Drängens der Pogges mit Hilfe eines Drechslers und Schlossers bereits in Stubbendorf. Der unmittelbar nach der Fertigstellung erfolgte Absatz ermutigte ihn, dieses Vorhaben in größerem Umfang fortzusetzen.
Seinem Gespür für die Zukunftsfähigkeit des Landmaschinenbaus in Mecklenburg und seiner Entschlusskraft ist es zu danken, dass Ernst Alban schon kurz darauf im Jahre 1829 das Gut Klein Wehnendorf bei Sanitz erwarb.
Mit großherzoglicher Ausnahmegenehmigung errichtete er dort die erste Mecklenburger Maschinenbauanstalt, in der er vor allem Landmaschinen baute. Außerordentliche Schwierigkeiten bereiteten ihm allerdings die Zunftgesetze Mecklenburgs, wonach nur Zunfthandwerker aus den Städten alle Arbeiten im Umkreis von zwei Meilen ausführen durften. Andererseits konnte er damit rechnen, dass der steigende Anteil der bürgerlichen Gutsbesitzer in Mecklenburg sehr förderlich für den Absatz war, da diese sich zumeist konsequenter für die Wirtschaftlichkeit ihrer Güter einsetzten.
Im Gutshaus von Klein Wehnendorf richtete er zunächst Werkstätten für Schlosser, Drechsler und Tischler ein, später kam eine Schmiede hinzu. Zu Beginn beschäftigte Alban sieben Arbeiter (drei Schlosser, drei Tischler und einen Drechsler), mit denen er im ersten Jahr 800 Reichstaler Gewinn erarbeitete.
Um die steigenden Aufträge zu erfüllen, errichtete er 1830 neben dem Gutshaus das erste neue Gebäude. Obwohl der Vice-Canzler Direktor Carl von Both und der Prof. Dr. Hermann Friedrich Becker seinen Antrag auf Unterstützung für einen weiteren Neubau auf überzeugende Weise befürworteten, wurde dieses Vorhaben wider Erwarten durch die Großherzogliche Regierung abgelehnt.
Alban leistete von Anbeginn an eine umfangreiche Aufklärungsarbeit, So schrieb er 1829 in den Landwirthschaftlichen Annalen des Mecklenburgischen Patriotischen Vereins einen Beitrag über den sachkundigen Umgang mit Landmaschinen. Später nutzte er die durch Friedrich Pogge initiierten Bauernversammlungen, um auch die "kleinen Landwirte" über die Anwendung neuer Landmaschinen zu informieren.
Auf Veranstaltungen des Mecklenburgischen Patriotischen Vereins stellte Alban seit 1835 in Güstrow regelmäßig von ihm konstruierte Landmaschinen aus. Aktiv wirkte er gemeinsam mit Johann Heinrich von Thünen und Johann Pogge bei der Vorbereitung von Prüfungen und Schauvorstellungen landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte mit. Zu den Landmaschinen, die er 1838 auf einer Ausstellung auf seinem Gut Klein Wehnendorf vorführte, gehörten Dreschmaschinen, Häckselmaschinen, Mahlmühlen, Handschrotmühlen und Kornreinigungsmaschinen.
Erstmals zeigte er auch eine breitwürfige Sämaschine, die ihm als seine bedeutendste Erfindung für die Landwirtschaft in der nachfolgenden Zeit sogar internationale Anerkennung einbringen sollte. Sie konnte gegenüber den besten englischen Maschinen bestehen, da sie folgende Vorzüge aufwies: große Sicherheit der Aussaat, unabhängig von der Witterung; gleichmäßige Saat und große Saatersparnis; preisgünstige Beschaffung.
Bereits ein Jahr später fand sie auf der ersten Landes-Gewerbeausstellung in Güstrow als "Albansche Säemaschine" besonderen Anklang, wofür Alban die "Goldene Medaille des Mecklenburgischen Patriotischen Vereins" zuerkannt wurde. In den nachfolgenden Jahren konnten über 1.000 Maschinen dieses Typs verkauft und dadurch hohe Gewinne erzielt werden.
Albans Vorhaben, Dampfmaschinen zu bauen, das ihn seit dem Studium und seinem Englandaufenthalt faszinierte, erforderte unabdingbar eine Eisengießerei. Aus diesem Grund erfolgte 1838 die Auflösung des Betriebes in Klein Wehnendorf. In den nachfolgenden Jahren wirkte Ernst Alban in den Maschinenbauanstalten in Güstrow und danach besonders erfolgreich in Plau, wo er u.a. das erste mecklenburgische Dampfschiff und später sogar eine Dampfmaschine für eine Papierfabrik in Reval (heute Tallinn) baute.
Nach zahlreichen Aufsätzen in "Dinglers polytechnischem Journal" seit den Anfangsjahren in Stubbendorf erschien 1843 auf der Grundlage umfassender praktischer Erfahrungen Albans Hauptwerk "Die Hochdruckdampfmaschine".
Im Hinblick auf die vollbrachten Leistungen für die Weiterentwicklung des landwirtschaftlichen Maschinenwesens verlieh ihm der Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. 1847 die "Medaille für Verdienste um die Landwirtschaft". Anlässlich seines 25jährigen Maschinenbauerjubiläums wurde er im Jahre 1850 durch den Mecklenburg-Schwerinschen Großherzog Friedrich Franz II. mit der "Medaille für Kunst und Wissenschaft" ausgezeichnet und erhielt an der Universität Rostock die Ehrendoktorwürde.
Ein im Jahr 1851 erlittener Schlaganfall schränkte sein Schaffen erheblich ein. Ernst Alban starb noch am 13. Juni desselben Jahres in Plau.
Text: Rolf-Peter Bartz, Direktor des Thünen-Museums-Tellow