Suchsymbol

Erweiterte Suche

 Weitere Zugänge:
· Art der Organisation
· Sachgebiet
· Bundesland
· Regierungsbezirk
· Landkreis
· Landschaft
· Gemeinde
· Personen
· Biographien
 Sonderbereiche:
· Oberbayrische Almen
· AgrarKulturerbe in Europa
- AgrarKulturerbe-Preis

 Vorige Seite 

Schlehdorfer Herzogstand-Alm - Geschichte

Allgmein1865 König Max von Bayern läßt 1/2 Stunde unter dem Gipfel eine kleine Jagdhütte bauen.
RückblickBEGINN DES TOURISMUS
"Die eigent;liche, man kann sagen touristische Erschliessung des Berges erfolgte im Jahre 1865 durch König Max von Bayern. Er erbaute sich, eine halbe Gehstunde unterhalb des Gipfels, eine einfache Jagdhütte. Bei dieser Gelegenheit entstand der sog. Reitweg, ein noch heute bestehender, kunstvoll angelegter Weg, der sogar mit Kutschen zu befahren war"
Hans Schöfmann
DER PIONIERWEG
"Im Jahre 1891 plante die Alpenvereins-Sektion München eine kühne Weganlage von Schlehdorf durch die Nordflanke des Herzogstandes zur Schlehdorfer Alm und zum Reitweg. Der Sektion München gelang es, zwei Kompanien des 1. Bayerischen Pionierbataillons unter ihrem Hauptmann Adelbert Neischl zu gewinnen, den Weg als Hochgebirgsübung zu bauen. Im Sommer 1892 erbauten in der kurzen Zeit von 14 Tagen die Pioniere den Weg durch die Herzogstandwand, überwanden mit kühnen Brückenbauten (die längste und höchste war die "Sophienbrücke" über den Schönraingraben), tiefe Schluchten und Bachläufe."
Hans Schöfmann
DIE RADIO-GROßSTATION
"Im Jahre 1923 erfolgte die Grundsteinlegung der Radio-Großstation Herzogstand. Es wurde eine überdimensionale Versuchsstation errichtet, die den Zweck hatte, ein unabhängiges Nachrichtenmittel zwischen Deutschland und dem Fernen Osten aufzubauen. Die Lage des Berges bot sich dazu besonders an. Fünf Antennenseile in der Länge von 2,5 km wurden über die 500 m hohe Nordwand des Berges gespannt. Sie endeten in der Funkstation oberhalb des Kochelsees. Die Großstation war kaum betriebsfertig, da wurde sie schon von der UKW-Technik überrollt… 1945 demontierten die Amerikaner die Anlage."
Hans Schöfmann
DER VERL
"In Schlehdorf war eine bekannte Persönlichkeit meines Vater Bruder Xaver (1859 - 1933). Er war Junggeselle, wurde 79 Jahre alt, war 48 Jahre Hirt auf dem Herzogstand und Heimgarten. Ein richtiger Naturbursche, im Winter Holzer, im Sommer Hirt. Nur mit der Natur verwachsen, und mit seinem Vieh. Vier Monate war er bei den Öchslein und Kühen. Zuerst beim Austrieb und Auftrieb in Raut, dann auf dem Joch und dann in der oberen Mulde vor den Herzogstandhäusern. Auf dem Heimgarten bei den Ochsen war er nur 2 Sommer. Auf dem Herzogstand war er in seinem Element. Dort hatte er von den Schlehdorfer Bauern zu seinem Lebensunterhalt die Milch von drei Kühen. Verl, so war sein persönlicher Name… verkaufte die Milch an Touristen und an das Herzogstandhaus. Der ganze Erlös wurde in Bier umgesetzt. In seinen jungen und mittleren Jahren vertilgte er 15 - 20 Liter Bier (täglich). Brachte er eine stierige Kuh nach Schlehdorf, dann gab es einen tüchtigen Rausch. Im Tal war das Bier billiger als auf der Höhe, und mit dem grössten Rausch ging Verl in stockfinsterer Nacht oder schon im Morgengraun mit der Kuh den Herzogstand wieder hinauf. Mit manchem Schlehdorfer Bauern kam er am Biertisch in Händel. Es war ihm aber keiner böse, weil er doch der arme Hüter seines Viehs war.
Das 50jährige Jubiläum als Hirte zu feiern, war Verl nicht vergönnt. Die letzten Jahre verließen ihn die Geisteskräfte. Er war die letzten 3 Jahre im Schlehdorfer Krankenhaus bei den Schwestern in Obhut. Sein Drang nach dem bayerischen Nationalgetränk kam ein paarmal zum Durchbruch, indem er einen sich selbst erlaubten Ausflug zum Neuwirt machte. Er verfügte über große Kraft, ebenso Gesundheit. Bier und Brot waren seine Nahrung während der Hirtenzeit. Wind und Wetter konnten ihm nichts anhaben. Er war ein Original. Hinterlassen hat er nichts. Die Beerdigungskosten mußten Verwandte bezahlen."
Benedikt Grünwald, Zum Hinz, Schlehdorf (1843 - 1910)
Herkunft der FlurnamenHerzogstand. Ursprünglich Farchenberg (von Farche "Föhre"). Seit 1532 Herzogstand, nach den hier jagenden Herzögen Ludwig und Wilhelm benannt.